Aus dem kleinen ABC zum Markus-Evangelium: T – Tür
- martinzoebeley
- vor 3 Tagen
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Aktualisiert: vor 2 Tagen

Ein Beitrag nur über den Begriff der Tür? - Was theologisch für das Johannes-Evangelium von Bedeutung ist, hat auch bei Mk einen tieferen Sinn. Die Tür ist – nicht nur bei ihm – eine Chiffre für den Zugang zum Königtum Gottes. Es ist wohl kein Zufall, dass Witze erzählt werden über einen Petrus, der an der Himmelspforte über den Einlass entscheidet.
Sie gehen auf Matthäus zurück. Dort wird er von Jesus mit der maximalen Vollmacht ausgestattet, mit der endzeitlichen Binde- und Lösegewalt (Mt 16,19). Auch die Schlüsselgewalt eines Torwächters wird ihm übertragen, wenn Jesus ihm verheißt: Ich werde dir geben die Schlüssel des Königtums der Himmel. (Mt 16,19; vgl. Jes 22,22).
Auf Petros, der also über den Einlass zum Himmelreich zu entscheiden hat, ist bei Matthäus die Kirche gebaut (vgl. https://www.skandaljuenger.de/post/ceterum-censeo-was-bedeutet-das-sog-reich-gottes). Dabei dürfen umgekehrt die Tore des Hades nicht fehlen, die die Kirche nicht überwältigen werden (Mt 16,18).
Wie alt die Tradition der Petrus-Witze tatsächlich ist, steht dahin. Indirekt geht sie schon auf Mk zurück, der mit einiger Ironie ein ganz anderes Bild zeichnet. Da ist Petros beides: der erfolgreiche Menschenfischer ebenso wie der ungehorsame Knecht und Widersacher Gottes, der Satan (8,33). Beides ist auf je unterschiedliche Weise mit der Metapher der Tür verknüpft.
Der Erfolg des Menschenfängers ist erkennbar an den zunehmenden Menschenmengen, die zunächst nicht einfach zu Jesus kommen, sondern sich bei ihm versammeln – oder auch zu ihm gebracht werden. Das Versammeln zur Tür hin wird mit dem jüdisch konnotierten Prädikat synagō bezeichnet (1,33; 2,2).
Dagegen wird der Ungehorsam des Petros an seinem (Sünden-)Schlaf deutlich, durch den er das Gebot Jesu missachtet. Denn er ist hinter dem besonders beauftragten Türhüter zu erkennen (13,34), der Wache zu halten hat, den Auftrag aber nicht befolgen kann, weil er nicht eine Stunde zu wachen vermag (14,37).
Nur Mk erzählt dieses Rätsel des Türhüters, eines Torwächters also, der über den Einlass zu wachen hat; (der gebräuchliche Begriff Sondergut geht von falschen Voraussetzungen aus). Dabei verwendet Mk den griechischen Begriff thyrōros (θυρωρός), der lateinisch als ianitor wiedergegeben wird.
Für das Lemma Tür verwendet Mk den Begriff thyra (θύρα) insgesamt 6-mal (und damit relativ häufig, vgl. Mt 4x; Lk 3x; Joh 7x), in verschiedenen Kontexten. Daher wird er in der lateinischen Übersetzungs-Tradition durch zwei unterschiedliche Lexeme wiedergegeben (ianua, 1,33; 2,2; 11,4; ostium, 13,29; 15,46; 16,3).
Bei Mk steht die Tür also für den Zugang jener Menschenmengen zum Königtum Gottes, die als Erfolg des Menschenfängers Petros gelten können. Dabei achtet er nur darauf, was der Menschen ist, nicht aber, was Gottes ist (8,33); als bevollmächtigter Türhüter versagt er.
Einen kleinen Überblick bietet die folgende Zusammenfassung der einschlägigen Stellen:
Zu 1,33:
Hier wird erzählt, warum Jesus nicht alle Menschen für das Königtum Gottes rettet. Man bringt zwar alle zu ihm, denen es schlecht geht, sowie die Besessenen (1,32), Jesus aber behandelt offensichtlich nur viele (von ihnen; 1.34).
Unterbrochen wird der kurze Erzähl-Zusammenhang durch die im Zentrum stehende irritierende Erklärung, dass die ganze Stadt zur Tür hin versammelt war (1,33). Der Eifer derer, die alle, also auch kultisch unreine Menschen, zu Jesus bringen, ist zwiespältig, zumal ihnen nur eine Behandlung zuteilwird, keine endzeitliche Rettung (vgl. 3,10).
Im Klartext: Nicht alle zu Jesus gebrachten Menschen können von ihm behandelt werden. Gerettet wird von ihm niemand, auch nicht durch einen Türhüter (Petros), denn endzeitliche Rettung setzt die Erkenntnis Jesu voraus. Die aber ist hier unmöglich, wie die untergegangene Sonne zeigt (1,32), das Bild nächtlicher Finsternis.
Zu 2,2
Wieder irritiert der Begriff der Tür. Diesmal ist der Platzmangel zur Tür hin besonders groß. Wegen der dort versammelten Menschenmengen bringen vier Träger einen Erschlafften wie einen Toten nicht etwa durch die Tür zu Jesus, sondern gleichsam am Türhüter (Petros) vorbei - über das aufgegrabene Dach. Daran erkennt Jesus ihren Glauben (vgl. https://www.skandaljuenger.de/post/übersetzungsfehler-in-der-bibel-mk-1-40ff-jesus-heilt-einen-aussätzigen-dann-einen-gelähmten).
Zu 11,4
Das messianisch konnotierte Reittier finden zwei Schüler nicht etwa nur angebunden, wie Jesus es ihnen vorab prophezeit hatte (11,2). Sie finden es angebunden zu einer Tür hin, – und binden es los. Den beiden hatte Jesus eine begrenzte Lösegewalt übertragen, die sie tatsächlich für das bisher ungenutzte Tier anwenden, draußen, am Scheideweg.
Eine Erklärung dafür haben sie selbst zu geben: Der Herr braucht es – und sofort schickt er es wieder hierher. Mit dem Begriff des Brauchens spielt Mk auf den Christus-Titel an. Das bedeutet wohl, dass das (mit dem Christus-Titel konnotierte) Tier vom Kyrios (!) Jesus zwar für eine kleine Zeit gebraucht, bald aber zurück geschickt wird, nämlich (wie Petros) nach draußen, an den Scheideweg.
Zuvor nennt Mk die beiden Ortsnamen Bethanien und Bethphage, nicht aber Bethlehem, das für den Christus-Titel entscheidend wäre. Stattdessen ist vage nur von einem Dorf gegenüber die Rede. D.h., nicht einmal das Reittier kommt aus Bethlehem, geschweige denn Jesus selbst.
Zu 13,29
Seinen ersten vier Schülern soll Jesus die Zeichen und den Zeitpunkt der kommenden Vollendung erklären. Erst beschreibt er ihnen mit apokalyptischen Bildern die nahe Endzeit sowie das unberechenbare Ende der Welt, um sie dann ironisch darauf aufmerksam zu machen, dass sie ein Rätsel zu lernen und am knospenden Feigenbaum die Nähe des Sommers zu erkennen haben.
Im Klartext: Die endzeitliche Erntezeit – und damit die Trennung von Spreu und Weizen – steht nahe vor Türen und insofern ihnen unmittelbar bevor (vgl. https://www.skandaljuenger.de/post/anmerkungen-zur-endzeit-rede-jesu-mk-13).
Zu 13,34
Mit dem Türhüter-Rätsel beendet Jesus seine Endzeitrede (13,34f, vgl. Bild oben). Er fordert Wachsamkeit, wie sie ein außer Landes gehender Herr von seinen Knechten fordert. Insbesondere darf sein eigens dazu beauftragter Torwächter schon deshalb nicht schlafen, weil er nicht weiß, wann der Herr zurückkehren werde.
Die dritte der eigens aufgezählten Rückkehr-Optionen ist die des Hahnenschreis. Mit ihr spielt Mk nicht etwa auf die Parusie des endzeitlich richtenden Menschensohnes an, sondern auf die Wiederkehr des Auferstandenen, den Petros angeblich als erster gesehen habe (vgl. https://www.skandaljuenger.de/post/die-geschichte-der-sog-auferstehung).
Zu 15,46
Wenn Joseph von Arimathaia, der das Königtum Gottes erwartet, einen Stein an die Tür des Grabdenkmals hinzurollt, dann deutet das implizit an, dass im Felsen (Petros) allenfalls die Leiche des Gekreuzigten liegt, nicht aber der Leib Jesu, den er eigentlich erbeten hatte (15,43; vgl. https://www.skandaljuenger.de/post/wer-war-joseph-von-arimathaia).
Zu 16,3
Wenn danach die Frauen sich fragen, wer ihnen den Stein aus der Tür des Grabdenkmals wegrollt, und sie dann sehen, dass er hinaufgerollt (!) ist, weil er allzu groß ist, dann machen sie nur den vermeintlich schwierigen Zugang zum Grabdenkmal zum Thema, nicht aber ihre Salbungs-Absicht, noch die bereits gesalbten Leiche, geschweige denn das Königtum Gottes, wie Joseph es erwartet (15,45, vgl. https://www.skandaljuenger.de/post/die-geschichte-der-auferstehung). Den Zugang dazu ermöglicht der Leib Jesu (s.o.).
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