Glosse: Über den Gladiator (Mk 14,47)
- martinzoebeley
- vor 1 Tag
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Die ganze Welt ist Bühne. Auf der Zauberbühne kann es schon mal vorkommen, dass einer, der das Schwert zieht, einen Frauenkörper in zwei Teile zerteilt. Ob das Schwert ein zweischneidiges ist oder vielmehr eine Säge, spielt dabei keine Rolle; angeblich sei sogar schon eine Kettensäge dafür verwendet worden.
Der Verdacht liegt nahe, dass die Zersägte Jungfrau in Wirklichkeit keine ist. Aber auch das tut nichts zur Sache, solange es glimpflich für sie ausgeht, zum Erstaunen des hochverehrten Publikums. Andernfalls könnten Ehemänner womöglich auf die Idee kommen, nach echten Halbierungen eine bessere Hälfte zu erwarten; ein zweischneidiger Gedanke.
Von der schonungslos zersägten Jungfrau Maria war bereits an anderer Stelle die Rede: https://www.skandaljuenger.de/post/glosse-kopflose-kirche. Wie es ihr heute geht, ist unklar. Doch gibt es dank KI auch den umgekehrten Fall. Einer kopflosen Madonna in Lausanne wurde virtuell nach 500 Jahren ein Haupt hinzugefügt.
Auf der Theaterbühne kann es schon auch mal vorkommen, dass einer das Schwert zieht – und jemanden im Publikum am Kopf trifft. Kürzlich gelang das dem Schauspieler Lars Eidinger in der Rolle des Richard III. an der Berliner Schaubühne.
Allem Anschein nach wollte er der Dame nicht das Haupt abtrennen, geschweige denn sie vor dem erstaunten Publikum in zwei Hälften teilen. Danach wurde die Vorstellung abgebrochen, anstatt sie mit dem blutenden Opfer über die Bühne zu bringen.
Die ganze Welt ist Bühne. Durchgängig spielt Petrus die Rolle des exemplarischen Schülers – so ist in einem Wibilex-Artikel über den Oberschüler zu lesen. Die Frage ist, wie durchgängig er diese Rolle spielt. Auch wenn er ein Schwert zieht? Wenn er den Kopf eines Sklaven trifft? Der Mensch geht manchmal unbedacht zu Werk. Sagt Richard III., freilich nicht über Petrus.
Was also heißt hier exemplarisch? Wenn Petrus bei seinem Lehrer zu fechten gelernt hätte, dann bräuchte er, dann bräuchten auch die anderen Schüler:innen nicht mehr tatenlos zuzusehen. Wir alle könnten, anstatt mit scharfer Zunge zu kämpfen, mit dem Schwert dreinschlagen. Oder wie einst Elia 450 Mann mit dem Schwert erwürgen.
Freilich war das ein ungleicher Kampf damals. Einer gegen alle – das konnte nicht glimpflich ausgehen für die 450 Baalspriester. Männer wie sie schneiden in der Bibel ohnehin nicht gut ab, ob sie nun mit dem Schwert erwürgt, erschlagen oder erstochen werden.
Mit welcher Kampftechnik der schneidige Petrus zu seiner zweischneidigen Heldentat schritt, zur aurikulären Amputation eines Sklaven, ist nicht überliefert. Fraglich ist ohnehin, ob er überhaupt der Täter war. Und ob das Opfer tatsächlich Malchus hieß (vgl. Joh 18,10).
In der Angelegenheit wird weiter ermittelt, solange das Aktenzeichen ungelöst ist. Denn die entscheidende Frage ist nach wie vor unbeantwortet: Warum nimmt einer, wer auch immer, dem Sklaven des Oberpriesters sein Öhrchen weg (vgl. Mk 14,47), ob mit einem Schwert oder einem Schweizer Taschenmesser.
Denkbar immerhin wäre, dass es einer von diesen Jesusleuten war, der eigentlich den ganzen Kopf abtrennen wollte, nicht nur ein Öhrchen. Dass sein Kampf dem Petrus galt, konkret dem Haupt des Oberhaupts. Der wäre dann nicht Täter, sondern Opfer.
Jedenfalls durfte jener Petrus, dessen Name Simon schon auf das Gehör Bezug genommen hatte, seinen eigenwilligen Kopf behalten. Sein Hörvermögen aber blieb fortan auf eine Seite beschränkt; von wegen Audiatur et altera pars. Dass er rechts nichts mehr hörte, ist bemerkenswert, doch als Zeichen so offen wie das Öhr (vgl. https://www.skandaljuenger.de/post/glosse-das-öhr-des-markus).
Jedenfalls wirft Petrus nie mit dem Schwert herum - und doch einige Haupt- und Hör-Fragen auf. Als unwahrscheinlich gilt, dass deshalb Jesus selbst mal dreinschlagen wollte, frei nach dem Motto: Ein Schwert, ein Schwert! Mein Königreich für ein Schwert!
PS:
Hier die Infos zur Madonna von Lausanne:
Und hier der Link zum o.g. Wibilex-Beitrag über Petrus:
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