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Aus dem kleinen ABC zum Markus-Evangelium: D – Dämonen

Aktualisiert: vor 4 Stunden



Die zahlreichen Erwähnungen von Dämonen lösen Anfragen an die im Markus-Evangelium dargestellte Welt aus: Was sind Dämonen? Was hat man sich früher darunter vorgestellt? Was sind im Unterschied dazu die Unreinen Geister? Mit modernen Glaubenserfahrungen scheint eine Welt voller Dämonen und Unreiner Geister kaum in Einklang zu stehen.


Hier ist nicht der Ort, religionswissenschaftlich die Geschichte der Dämonen nachzuzeichnen oder die entsprechenden Belege aus der Antike mit dem Markus-Evangelium in Verbindung zu bringen. Für dessen Interpretation ist es jedoch unerlässlich, ihre Bedeutung im jeweiligen Kontext zu klären - und damit ihre literarische Funktion.


Üblich ist die Gleichsetzung von Dämonen mit Unreinen Geistern. Sie ist unangemessen,

wie der folgende Vergleich zeigen soll, aus einem einfachen Grund: weil beide Gruppen nicht gegenseitig austauschbar sind. Dämonen wirken als Mächte des Satans gegen den Willen Gottes; Unreine Geister sorgen für spezifischer Probleme einer jüdischen Welt, auch in Abgrenzung zu ihr (vgl. Sach 13,2).


Dennoch gibt es offensichtliche Gemeinsamkeiten. Beide können als eigenständige Akteure wie auch als Bewohner der von ihnen besessenen Erzählfiguren aktiv werden. Sie treten gehäuft in der ersten Hälfte des Mk auf, danach ist nur noch von einem sprachlosen und tauben Geist die Rede, den die Schüler nicht hinauswerfen können (9,25; vgl. https://www.skandaljuenger.de/post/die-geschichte-vom-vater-und-seinem-besessenen-sohn-mk-9-14-29).


Jesus selbst hat die Befugnis, beide hinauszuwerfen, Dämonen wie Unreine Geister. Er kann diese Vollmacht auch an die Zwölf delegieren, tut es aber nicht, wie die beiden Geschichten ihrer Einsetzung bzw. ihrer Entsendung zeigen (vgl. https://www.skandaljuenger.de/post/die-geschichte-der-einsetzung-der-zwölf-mk-3-13-19; bzw. https://www.skandaljuenger.de/post/die-geschichte-der-aussendung-der-zwölf-mk-6-7-13).


Nach seiner Adoption zum Sohn Gottes (1,11) wird er selbst durch einen Geist in die Wüste hinausgeworfen (1,12), wo er der Macht des Satans widerstehen kann (1,13). Später wird er Petros als Satan ansprechen, der den Leidensweg eines Christus ablehnt, selbst aber am zweiten Leidensweg Jesu schuld ist (vgl. https://www.skandaljuenger.de/post/übersetzungsfehler-in-der-bibel-sie-kreuzigen-ihn-doppelt-mk-15-24f).


Ein erster Unreiner Geist behauptet und verkündigt in der Synagoge unaufgefordert, wer Jesus ist, stellt ihn aber als Menschen gleichrangig neben Gott (Nazarener, der Heilige Gottes, 1,24). Jesus verhindert derart unreine Verkündigung (im judäochristlichen Kontext) durch einen derben Maulkorb-Befehl (1,26). Sein zweiter Befehl (geh heraus) führt dazu, dass der Geist, der scheinbar aufs Wort gehorcht, mit Gebrüll herausgeht.


Unpassend dazu die allgemeine Reaktion: Sie machen die Befugnis Jesu allein daran fest, dass die Unreinen Geister ihm gehorchen (1,27). Genau das tun sie nicht, wie das Gebrüll des einen Geistes zeigt. Unreine Geister lösen unreine Verkündigung und in der Folge unreine Erkenntnis aus.


Die Pharisäer hegen den Verdacht, Jesus werfe mit (Petros als) dem Herrscher der Dämonen die Dämonen aus, als wäre er ihr widergöttlicher Befehlshaber, der Satan, der (3,22, vgl. https://www.skandaljuenger.de/post/die-geschichte-der-einsetzung-der-zwölf-mk-3-13-19). Er bestätigt es ihnen indirekt mit seiner rhetorischen Rückfrage zu dem Dilemma, dass der Satan (Petros) sich selbst nicht hinauswerfen könne.


Das haben Dämonen und Unreine Geister gemeinsam: Sie wissen sehr gut Bescheid über Jesus (1,34) und könnten – im Unterschied zu den Schülern – richtige Antworten geben auf die Frage, wer er ist (vgl. 3,11). Just vor der Einsetzung der Zwölf bekennen die Unreinen Geister Jesus nach einem bloßen Anblick als Sohn Gottes und huldigen ihm, indem sie sich vor ihm hinwerfen. Dennoch lässt er sie nicht zu Wort kommen (3,12 vgl. 1,25.34).


Den Unterschied zwischen beiden Gruppen, zwischen den Dämonen und den Unreinen Geistern, zeigt die gewitzte Geschichte der Syrophönizierin (7,24ff). Deren Tochter hat einen Unreinen Geist (7,25). Doch die Mutter bittet Jesus darum, ihren Dämon auszuwerfen, gleichsam per Fern-Heilung.


Er lässt sich auf ein das Gespräch mit ihr ein, lehnt ihren Wunsch ab und schickt sie schließlich ohne erkennbare Eigenbeteiligung mit einer wunschgemäßen Fern-Diagnose weg (Der Dämon ist aus deiner Tochter herausgegangen, 7,29). Am Ende ist die (völkerchristliche) Tochter auf ihre Essliege hingeworfen (7,30), wobei der Unreine Geist ihr offenbar geblieben ist.


Weder sie steht im Fokus dieser Geschichte, noch ihre (Fern-)Heilung. Das eigentliche Thema ist die Mahlgemeinschaft von Judäo- und Völkerchristen, wie ein eigener Beitrag zeigen soll (https://www.skandaljuenger.de/post/was-zeichnet-die-griechin-aus-syrophönizien-aus-mk-7-24-30).


Bei dem Problem des sprachlosen und tauben Geistes versagen die Schüler aus einem Grund, den Jesus ihnen im Nachhinein erklärt (9,29). Sie hätten nur zu beten brauchen (vgl. https://www.skandaljuenger.de/post/die-geschichte-vom-vater-und-seinem-besessenen-sohn-mk-9-14-29).


Die versteckte Pointe: Hinter dem Unreinen Geist, der nicht hören kann, ist der des Petros erkennbar, dessen Name Simon auf sein Hörfähigkeit anspielt (https://www.skandaljuenger.de/post/übersetzungsfehler-1-16-die-netze-des-simon-und-seines-bruders).


Einer der judäochristlichen Schüler (Johannes) berichtet Jesus, dass jemand, der ihnen nicht nachfolge, Dämonen auswerfe (kraft deines Namens, 9,38, sic!), was sie jedoch verhindert hätten. Jesus widerspricht ihnen; Keiner, der eine Machttat in (!) seinem Namen tue, könne ihn danach schlechtreden (9,39; vgl. https://www.skandaljuenger.de/post/übersetzungsfehler-in-der-bibel-was-heißt-in-meinem-namen-mk-9-38).


Austreibungen werden nicht als Heilungs-Wunder Jesu oder gar als Exorzismen erzählt. Sie zielen auch nicht auf das Ergebnis, sondern belegen das ungelöste Problem der Unreinheit einer judäochristlichen Welt herum, die Mk mit den Schülern aufs Korn nimmt.


Die längste Einzel-Geschichte ist die der kuriosen Schein-Heilung eines Besessenen von zunächst einem einzigen Unreinen Geist (5,2ff), der sich im Gespräch mit Jesus Legio nennt (denn wir sind viele. 5,9; vgl. Bild). Der Witz dabei: Er ruft Jesus von sich aus dazu auf, nicht ausgesandt zu werden. Nachdem er sich als eine Vielzahl Unreiner Geister entpuppt, rufen die ihn dazu auf, in eine Schweineherde fahren zu dürfen.


Jesus wirft diese also nicht hinaus, noch sendet er sie aus, sondern erlaubt ihnen nur den gewünschten Wirtswechsel, der letztlich dazu führt, dass die Schweineherde im Meer erstickt (5,13). Die Geschichte derart wundersamer Wendungen und Wandlungen dient einer satirischen Darstellung des Paulus (vgl. https://www.skandaljuenger.de/post/die-geschichte-des-sog-besessenen-von-gerasa-mk-5).


Fazit: Dämonen wirken als widergöttliche Mächte im Auftrag ihres Befehlshabers, des Satans, den Mk mit Petros, mit dem Ersten der Dämonen, assoziiert. Sein Unreiner Geist ist einer von vielen, ein permanentes Problem der judäochristlichen Welt und überall wirksam, wo judäochristliche Reinheits-Ansprüche gestellt oder gemeinsame Mahlfeier mit unreinen Mahlteilnehmern abgelehnt werden (https://www.skandaljuenger.de/post/wann-wurde-der-text-des-mk-geschrieben).


 
 
 

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