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Herzlich willkommen...

Aktualisiert: 18. Juli 2023

...zu einem Blog, der zugegebenermaßen etwas reißerisch Skandaljünger heißt – und ein Problem des Markus-Evangeliums in den Blick nimmt. Wie die Jünger sich zu Jesus verhalten, ist bemerkenswert. Sie sind nicht seine Freunde, seine auserwählten Mitarbeiter;

sie sind begriffstutzige, lernunwillige Schüler. Mit einem Wort: Ihr Verhalten ist skandalös. Der in der Wissenschaft übliche Begriff (Jüngerunverständnis) verharmlost das Problem.

Der Markuslöwe von Zürich

(Foto: Schweizerisches Nationalmuseum)


Besonders deutlich wird der Gedanke des Skandalon (zu Fall kommen) bei der Geschichte der Verleugnung. Wie Petrus von Jesus sich lossagt, ist ein Skandal, mit raffinierter Erzählkunst dargestellt und bewusst ins Zentrum der Passionsgeschichte gerückt. Was in den meisten Bibel-Übersetzungen kaum erkennbar wird, ist hier eine der Ausgangsfragen: Warum wird Petrus, der Apostelfürst, als Apostat gezeichnet, als Abtrünniger?


Die Jünger werden in diesem Blog nicht deshalb in Frage gestellt, weil es derzeit üblich ist, führende Kirchenmänner öffentlich zu diffamieren. Vielmehr soll der Versuch unternommen werden, Antworten zu finden auf die Frage, warum sie alle versagen. Und: Warum Petrus im Markus-Evangelium zum Inbegriff des Skandaljüngers wird. In diesem Blog wird er mit dem Namen Petros genannt, weniger aus Gründen der Textnähe, als vielmehr in der Absicht, Verwechslungen mit der Heiligenfigur des Petrus zu vermeiden. Analog werden die Namen einiger anderer Akteure in ihrer ursprünglichen Form genannt, abweichend von deutschem Sprachgebrauch.


Anders als sie, die wichtigsten Erzählfiguren, sollen und können die Leser:innen des Markus-Evangeliums verstehen, wer Jesus ist (nicht: wer Jesus war). Diese nach wie vor aktuelle Wahrheit des Markus-Evangeliums gilt es, gegen die Jünger, auch gegen uralte kirchliche und akademische Deutungs-Traditionen, neu zu entdecken.


Wohlgemerkt: Kirchenhetze, Theologen-Schelte und Vatikan-Bashing haben hier keinen Platz. Ziel des Blogs ist einzig, das Markus-Evangelium und seine Rätselhaftigkeit zu verstehen und verständlich zu machen. Das kann nur gelingen, wenn gängige Vorstellungen über Jesus, über seine Zeit und deren Darstellung im Markus-Evangelium hinterfragt werden. Der Versuch lohnt sich; immerhin ist es einer der wichtigsten Texte der Menschheits-Literatur. Und einer der witzigsten.


140 Ansichten2 Kommentare

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2 Comments


Martin Zöbeley
Martin Zöbeley
May 16, 2022

Einen ganz herzlichen Dank für diesen ergänzenden Beitrag. Die Schwierigkeit entsteht, wie immer, durch die Möglichkeit, unterschiedliche (und zu unterscheidende) Perspektiven auf Petrus zu vermischen.

Die Darstellung des Petrus in den biblischen Texten wäre vom Konstrukt eines historischen Petrus inklusive seiner späteren Bedeutung ("Leiter der Urgemeinde" - war er das jemals?) zu unterscheiden.

Wir sind es freilich gewohnt, mit einem klassischen Zirkelschluss zu leben. Weil wir aus den Texten seit je herauslesen, wie es wohl damals war - und aus diesen - vermeintlich historischen - Erkenntnissen heraus wiederum die Texte verstehen wollen. In der Kirche ist das bewährte Praxis.

Stillschweigend gehen wir also davon aus, dass biblische Texte historische Realität erfassen. Das tun sie möglicherweise auch, freilich auf ihre je…


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Unter den Jüngern nimmt Petrus eine führende Position ein. Seine Berufungsgeschichte wird detailliert beschrieben. Er nimmt schon während der Wirkungszeit Jesu eine wichtige Position unter den Jüngern ein. Er wird von Jesus ausgesucht als der Fels, auf dem die Kirche erbaut werden soll. Er wird der Leiter der Urgemeinde.

Da ist die Behauptung, gerade er sei „gefallen“ erst mal gewöhnungsbedürftig. Im Rahmen des Blogs soll das anhand des Markusevangeliums gezeigt werden. Aber auch andere Bibelstellen zeigen auf, dass Petrus Schwächen hat.

Dass Petrus seine Freundschaft zu Jesus mehrfach leugnet, ist wohl der bekannteste Hinweis (Lk 22, 54 ff; Mt 26,69 ff; Joh 18, 17). Petrus leugnet in einer Situation, in der das Bekenntnis zu Jesus Mut erfordern würde. Nachdem Jesus…

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