Glosse: Martins Müll
- martinzoebeley
- vor 2 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Vor einiger Zeit sprach mich jemand darauf an. Mit leicht mitleidigem Blick meinte er, dass das, was ich hier über Mk schreibe, niemanden interessiere und daher für die Tonne sei. Was er damit sagen wollte, war klar: Dass er nicht liest, was niemand braucht. Dass es über kurz oder lang dort landen wird, wo es hingehört: auf dem Müllberg der Geschichte.
Für die Tonne! Ich bin doch kein Philosoph, der in der Tonne lebt oder aber aus der Tonne und deshalb für die Tonne schreibt. Auch als Maßeinheit ist sie ungeeignet, das je unterschiedliche Gewicht der Beiträge zu erfassen. Ich bin mir sicher, dass sie gelesen werden, ungeachtet der Müllberge auf dem Markt der Meinungen, den das Internet ermöglicht.
Tatsächlich ist das Abfallproblem das eigentliche Thema des Mk – und dieser Blog von seiner Entstehung her ein Abfallprodukt meines Theologie-Studiums. Seitdem habe ich viel gelesen, was der reinen Lehre über Mk entspricht und längst als Müll entsorgt werden könnte. Doch an den entscheidenden Fragen bleibe ich dran: Wie trenne ich richtig? Was kann recycelt werden?
Nach allem, was die Forschung über den Historischen Jesus in Erfahrung bringen konnte, hat er Zeit seines irdischen Lebens kein verbindliches Votum zum Thema Müll abgegeben, sieht man mal von der Gehenna ab, der biblischen Müllhalde für unerlöste Seelen (9,43ff).
In eine andere Richtung weisen seine Äußerungen zur Reinheit, konkret zu der Frage, was den Menschen verunreinige (7,15ff). Das sei das, was aus dem Menschen herauskomme. Was aber von außen in ihn hineingehe, das lande über kurz oder lang im Klo, der Latrine oder wie immer der antike Donnerbalken zu bezeichnen ist.
Unabhängig davon war vor kurzem im Internet zu lesen, dass die Gewinnerin einer Lotterie den Jackpot geknackt und eine Million Euro gewonnen, unwissend aber den Nachweis über ihr großes Los in den Müll geworfen habe. Eine Spezialfirma habe daraufhin die Müllberge durchsucht, den gültigen Schein gefunden und am Ende die Frau, eine Italienerin, der durch die Suche einige Kosten entstanden waren, reich und glücklich gemacht.
So ist das wohl auch mit diesem Blog. Seitdem ich die Rätsel des Mk geknackt und keine Mühen und Kosten gescheut habe, die entsprechenden Nachweise auf den Markt der Meinungen zu werfen, warte ich darauf, dass Spezialkräfte sie dort auflesen und mich reich und glücklich machen werden. Oder wenigstens sich selbst.
PS: Zum Thema Abfall, dem Skandalon im Zentrum der Leidensgeschichte Jesu, vgl. https://www.skandaljuenger.de/post/wie-steht-es-um-petros-und-um-sein-erinnerungsvermögen-mk-14-72
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